Landwirtschaft unter Druck

5. Juni 2018

Die beiden kürzlich eingereichten Initiativen, die pauschalisiert gesagt, den Einsatz von Pestiziden in der Schweizer Landwirtschaft stark einschränken respektive verbieten wollen, sind meines Erachtens ein Ausdruck grosser Unwissenheit seitens der Unterzeichnenden. Natürlich steigt die Nachfrage nach ökologisch hergestellten Lebensmittel, die kaum je in Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln gekommen sind, doch das steht ganz klar im Widerspruch zum immer noch florierenden Einkaufstourismus in grenznahen Gebieten. Es wird mehr Ökologie gefordert, doch den Preis dafür will man lieber nicht bezahlen. Die Initianten samt den Unterzeichnenden täten gut daran, sich dafür einzusetzen, dass die im Vergleich zum Ausland höheren Konsumentenpreise für hochwertige Schweizer Produkte von allen in der Schweiz Lebenden auch bezahlt werden, anstatt prominent folgenschwere Forderungen zu stellen. Die Schweiz kann sich heute schon nicht zu 100 % selbst versorgen, wie soll sie es denn ohne den Einsatz von Pestiziden tun? Immerhin sind sämtliche Pflanzenschutzmassnahmen gemäss Studien für 30 – 40 % der heutigen Erträge verantwortlich. Was die Initianten mit ihren Forderungen verursachen, ist eine höhere Abhängigkeit vom Ausland. Es ist auch klar, dass im Ausland weniger strenge Vorschriften gelten und deshalb die Pestizidrückstände auf importierten Lebensmitteln deutlich höher sind. Bezweckt wird also genau das Gegenteil von dem, was die Initianten fordern. Ich appelliere an die Vernunft aller: Diese Initiativen müssen unbedingt abgelehnt werden.

Nicola Stocker, Student Agronomie

(Leserbrief zum Tageskommentar von Pierina Hassler, Südostschweiz GR Ausgabe vom 5. Juni 2018)